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Kunststoffe Polyethylen (PE)
PE ist ein chemisch einfach aufgebauter Kunststoff und ein etabliertes
Material im Kajak- und Kanadierbau. Es besitzt eine etwas geringere
Dichte als Wasser (< als 1 g/cm³) und ist unsinkbar.
Welche der nachfolgend erklärten PE-Arten die bessere ist, lässt sich
durch eine Vielzahl von Faktoren nicht sagen. Schon eine zu schnell
abgekühlte Form oder abweichende Farbpigmentierung kann die
Eigenschaften verändern.
HD-PE (High Density, Prijon nennt es HTP) besitzt eine hohe Dichte, die
bei ca 0,96 g pro cm3 liegt. Die hohe Aushärtung bildet einen steifen
Kunststoff, der seinen Schmelzpunkt bei etwa 140 °C hat. HD-PE weist
also die höchste Zug- und Reißfestigkeit unter den PEs auf. Es ist sehr
zäh, verformt aber auch leichter als z. B. weiches LD-PE.
Weiterentwicklungen sind HD-PE Superlinear (wird in der
Ausform-Maschine, dem Extruder, pigmentiert) und HD-PE Plus (die
Pigmentierung erfolgt per Handmischung).
LD-PE besitzt eine geringe Dichte (Low Density). Es wird im
Hochdruckverfahren hergestellt und besitzt Verzweigungen. Die Dichte
liegt bei ca. 0,92 g pro cm3. Das Material ist relativ weich, der
Schmelzpunkt liegt bei ca. 105 °C.
MD-(Middle Density-) PE liegt zwischen den genannten Arten.
PE-V oder -Crosslink ist ein vernetztes PE mit guter Reißfestigkeit. Die
Vernetzung erzielt man chemisch oder per (UV-) Bestrahlung. Ein sehr
flexibles, nicht recyclebares Material. Bedingt durch die Struktur lässt
es nur sorgfältig vorbereitete Reparaturen zu.
Die Verarbeitung von PE
Beim Rotationsverfahren wird PE-Granulat in eine beheizbare und drehbare
Bootsform gegeben. Dadurch wird das Material gleichmäßig verteilt. Die
gewünschte Wandstärke lässt sich durch Temperatur und
Drehgeschwindigkeit beeinflussen.
Beim Blasformverfahren wird meist HD-PE verwendet. Durch Hitze und Druck
wird das Granulat verdichtet und bildet einen „Schlauch. Der Extruder
umschließt das Material und bringt es in Form.
Große
Stabilität und Belastbarkeit
Preiswert
Recyclebar
(Ausnahme: PE-V)
Relativ
hohes Eigengewicht
Nur
bedingt U V-beständig
Kunststoffe im Sandwichbau
Olthylen
Eine von Old Town patentierte Sandwich-Ausführung mit hartem Schaumkern
und Polyethylen-Schichten (s. oben). Old Town verwendet es seit 1983.
Große
Stabilität und hohe Festigkeit
Sehr
belastbar, nahezu unzerbrechlich
Unsinkbar
Isolierend
und leise im Wasser
Recyclebar
Nur
bedingt UV-beständig
Schwerer
als Royalex
Royalex
Royalex ist eines der fortschrittlichsten Materialien im Kanubau. Es
besteht aus einem mehrlagigen, thermogeformten Sandwich-Aufbau mit
geschlossenzelligem PE-Schaumkern.
Außen- und Innenschicht besteht aus Vinyl oder vernetztem PVC (UV-beständig),
die Tragschichten aus mehreren Lagen ABS*, die dem Boot Stabilität und
Härte geben. Das Laminat wird entsprechend dem Einsatzbereich der Boote
in unterschiedlicher Zusammenstellung verwendet. Royalex ist gut
reparabel.
Oltonar ist Old Towns exklusive Ausführung des von Uniroyal entwickelten
Royalex (PVC/ABS).
Royalite, eine um 10 % leichtere Weiterentwicklung von Royalex, besitzt
als abschließende Schichten sehr leichten Spezialkunststoff (R 84), der
härter und steifer als Vinyl ist.
Bei
niedrigem Gewicht große Stabilität und hohe Festigkeit
Sehr
belastbar, nahezu unzerbrechlich
Unsinkbar
Isolierend
und leise im Wasser
Nicht
recyclebar
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Sandwich-Bauweisen
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| Royalex / Oltonar |
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| Fiberglas / Kevlar mit Schaum |
| Fiberglas / Kevlar |
Faserverstärkte Kunststoffe
Aramid (Kevlar)
Eine extrem zugfeste Faser, die aus der Weltraumforschung stammt;
bekannt z. B. als Markenname Kevlar. Bei höherer Zug- und Reißfestigkeit
ist sie wesentlich leichter als Glasfaser, Reparaturen gestalten sich
dafür aber auch schwieriger. Kevlar ist nur durch einlaminierte
Schaumblöcke unsinkbar.
Schnelle
Rumpfformen möglich
Sehr
niedriges Gewicht
Durch
hochwertiges Material und Handarbeit teuer
Kevlar
allein ist schwerer als Wasser
Nur
beschichtet UV-beständig
GFK
Sammelbezeichnung für glasfaserverstärkte Kunststoffe (die aber i. d. R.
nicht näher bezeichnet sind). Wie der Name schon sagt, ein steifer
Verbund-Kunststoff (mit erhöhter Wärmeformbeständigkeit). Es wird im „Handauflege-Verfahren
verarbeitet und hat sich vielfach bewährt. GFK-Boote zeichnen sich durch
ihre elegante Erscheinung aus, denn Bug und Heck können schärfer
ausgeformt werden als z. B. bei Royalex. Es ist gut reparabel. GFK ist
nur durch einlaminierte Schaumblöcke unsinkbar.
Schnelle
Rumpfformen möglich
Niedriges
Gewicht
Einfach zu
reparieren
Durch
hochwertiges Material und Handarbeit teuer
GFK allein
ist schwerer als Wasser
U. u.
nicht UV-beständig
Flexible Kunststoffe (Elastomere)
PVC
PolyVinylChlorid wird bei Luft- oder Faltbooten eingesetzt. Es ist
preiswert und lässt sich mit zusetzbaren Weichmachern gut verarbeiten.
PVC kann spröde werden, wenn sich diese mit der Zeit verflüchtigen.
Leicht und
flexibel
Preiswert
Gut
reparabel
schwerer
als Wasser
Nur
bedingt Alterungs- & UV-beständig
Polyester (PES)
Ein universeller Kunststoff mit breiter Anwendung. Polyester dehnt sich
nicht aus, ist alterungs-, säure- und UV-beständig. Als Gewebe wird es
meistens mit folgenden Elastomeren beschichtet:
Hypalon (o. CSM). Ein sehr hochwertiges, extrem
widerstandsfähiges Material aus Chlor-Sulfat-Polyethylen. Hoch UV-,
temperatur- & alterungsbeständig.
Neopren. Ein weit verbreitetes und widerstandsfähiges Material
aus Polychloropren.
Kautschuk. Ein natürliches Gummi, das durch die natürliche
Herkunft und meist umweltfreundliche Verarbeitung auffällt.
Verarbeitung von Polyesterlaminaten
Qualitativ hochwertiges Verschweißen des Gewebes erfolgt in einem
Heißvulkanisationsverfahren, bei dem einzelne Segmente miteinander
verklebt werden und erst das fertige Boot mit Druck und Hitze
vulkanisiert wird. Dabei verbinden sich die Klebestellen zu einer
Einheit und erhalten ein Höchstmaß an Festigkeit.
Flexibel,
dauerhaft & widerstandsfähig
Sehr
UV-beständig (je nach Laminat)
Im Verbund
nicht recyclebar
Holz
Neben Kautschuk der einzige nachwachsende Rohstoff bei Bootsmaterialien.
Dadurch sind jedoch auch größere Qualitätsunterschiede möglich. Holz
wird vor allem im Kanadierbereich und bei Faltbootgerüsten eingesetzt,
aber auch Anbauteile von Kunststoffbooten (Süllrand, Streben usw.)
werden nach wie vor in (Hart-) Holz gefertigt. Die Auswahl und die
Sorgfalt beim Trocknen erfordern viel Erfahrung und Geschick. Als
Holzarten verwendet man bei Kanadiern oft Cedar (nicht mit Zedernholz zu
verwechseln!). Durch den Raubbau an kanadischen Wäldern gilt aber gerade
Fichte oder Kiefer als kluge Alternative. Faltbootgerüste bestehen oft
aus Birkensperrholz o. elastischer Esche. In Form bringt man Holz durch
Dämpfen, Kleben und Nageln. Ein Laminat aus Glasfaser und Kunstharz
schützt das Naturmaterial weitgehend vor Umwelteinflüssen & mechanischen
Schäden.
Herausragende
Eleganz und Schönheit
Natürlich
nachwachsender Rohstoff
Langlebig
Teuer
(Material, Handarbeit)
Relativ
schwer
In Frage
gestellte Naturverträglichkeit
Aluminium
Da Aluminium sehr weich ist, wird es im allgemeinen mit anderen Metallen
legiert. Außer bei Gerüstkonstruktionen im Faltkanu- und
Faltkajakbereich werden Aluminiumboote kaum noch produziert.
UV-beständig
Preiswert
Als
Bootsmaterial schwer, laut und kalt
Nur
weiterbehandelt oxidationsfest
Pflege Feste Kunststoffe sind i. d. R.
pflegeleicht, sollten aber zumindest fachgerecht gelagert werden
(dunkel, sauber & trocken).
Falt- und Schlauchboot-Konstruktionen sind pflegeintensiver, da sie aus
mehreren Komponenten bestehen. Die Lebensdauer der Haut kann mit
Pflegemilch erhöht werden.
Auch diese Materialien sollten dunkel, trocken und sauber gelagert
werden. Holz muß regelmäßig auf freiliegende Stellen überprüft werden,
denn eindringendes Wasser kann sehr schnell Schaden anrichten.
Holzbeschläge müssen bei sehr kalten Temperaturen entfernt bzw. gelöst
werden, da sie im Vergleich zu Kunststoffen anders reagieren und brechen
können.
Umweltverträglichkeit Natürlich ist die
Herstellung eines Bootes immer mit einem hohen Energiewert verbunden.
Macht man sich jedoch klar, wie lange ein hochwertiges Kanu hält,
erscheint es gegenüber dem täglichen Müllproblem in sehr gutem Licht.
Außerdem sind viele der genannten Kunststoffe heute recyclebar.
Gesundheitliche Gefahren sind ein anderer Aspekt, der nicht unerwähnt
bleiben sollte. Epoxidharze können Allergien auslösen, Styrol ist als
Krebserreger umstritten.
Besonders bei Reparaturen sollte man sorgfältig vorgehen und beim
Schleifen und Kleben einen Atemschutz tragen.
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